Kaleidoskop der Stille

Ich habe den Wunsch Stille zu erschaffen.
Die Welt ist zu laut geworden. Verstörend und schädlich für die Ohren, weil kaum einer mehr weiß was ein jeweiliges Wort oder ihre Laute und dazugehörigen Gesten bedeuten. Und das Ergebnis sind schlechte Kunst, Schreie, Verwirrung, Spezialeffekte und eine verdummte Menschheit. Aber ehrlich gesagt kann ich mich nicht auf ein hohes Ross setzen und verurteilen. Das ist auch nicht mein Ziel. Ich möchte vielmehr meine eigenen Unzulänglichkeiten verstehen, meine eigenen Mängel begreifen und mein Schweigen und meine Bewegungslosigkeit erfassen und erklären. Und damit eventuell den Bann brechen der über meinem Leben liegt. Ich habe auch das Bedürfnis die Welt zu retten, aber da ich schon Probleme damit habe mir selbst die Schnürsenkel zuzubinden oder im weiteren Rahmen überhaupt Schuhe zu besitzen (mir fehlt leider selbst die dezenteste praktische Vernunft) will ich nicht zu übermütig werden.
Viel entsteht vermutlich durch Angst. Angst keinen Raum mehr zu bekommen, die Luft zum Atmen zu verlieren, keine Nahrung zu haben, keine Arbeit, keine Erleichterung und Ablenkung, seine Liebsten zu verlieren, zu sterben, anderen beim Sterben zu zusehen, Leid, Wahnsinn, Nähe, Liebe, Ignoranz, Schmerz, Gewalt. Die Liste scheint endlos. Es mangelt mir schon lange nicht mehr Gründe zu finden. Das Warum hinter allem zu erfassen.
Wieso etwas passiert ist mit ein wenig Nachdenken, Beobachten, einer gesunden Portion Empathie und gesundem oder manchmal auch eher kranken Verstand durchaus zu erfassen.
Aber was dann? Was, wenn man an dem Punkt ankommt wo sich alles wiederholt? Wenn jede Geschichtsschreibung, jede Philosophie und Psychologie, jedes Buch, jeder Film, jedes Gemälde, alle Ausdrücke der Kunst und Wissenschaft einem wie ein Deja-vu vorkommen?
Ich habe vor langer Zeit aufgehört zu sprechen. Mir sind die Worte abhanden gekommen. Ich habe kein Gespür für Poesie und Sprache deswegen erscheint es mir sinnlos Gedichte oder Narrativen zu erschaffen. Ich kann sie lesen und aufnehmen, manchmal sogar verstehen, doch es entgleitet mir ein gleichartige oder auch abstraktere Form der Kunst zu erstellen. Auch vermag ich es nicht zu zeichnen,zu malen, zu editieren, zu photographieren oder zu singen. Jede Form der höheren Künste scheint mir mysteriös und verschlossen. Alles was mir bleibt sind die Gedanken. Das Einzige, was mir liegt. Denken. Informationen sammeln, verarbeiten und verwahren. Und manchmal entsteht sogar eine gewisse Alchemie, aber was mir fehlt ist die letztendliche Verschmelzung mit der Außenwelt. Als ob das Vorhanden sein eines mir nicht innewohnendes Elements fehlt. Und somit keine Reaktion entstehen kann.
Aufgehört zu sprechen habe ich als ich gemerkt habe das meine Sprache keinen Sinn mehr ergab. Menschen betrachteten mit Geduld oder Ungeduld, während ich hilflos nach den richtigen Worten rang. Das Ergebnis waren zusammenhanglos zerstückelte Fragmente von etwas das sicherlich einmal in meinem Geiste Sinn gemacht hat. Aber mein Wunsch nach Authenzität hat meine Aufnahme und mein Streben nach Wissen, und immer mehr Information die diesem Wissen Substanz geben können sehr beeinflusst.
Ich konnte mich nicht mehr bremsen jede Theorie und Idee zu hinterfragen, mehr zu lesen, zu betrachten, zu hören um meinen Einblick in einen Bereich zu vervollständigen. Ein stetiger Strom an Informationen floss in meinen Kopf und ich lernte dazu, pausenlos, ohne darauf zu achten richtig zu atmen, zu sitzen, zu essen oder zu trinken. Alles außer meinem Drang die Fragen des Lebens zu beantworten wurde zweitrangig. Mein immenses Bedürfnis zu verstehen und letztendlich mit diesem Wissen zu helfen hat mich unglaublich dumm und hilflos gemacht. Erschreckend dumm. Und verstörend hilflos. Ich hab es geschafft nahezu alle meine Freunde zu vergraulen, zumindest die die Höflichkeit hatten sich nicht selbst umzubringen, meinen Körper und meine Gesundheit, meine Wohnung und eigentlich so ziemlich alles zu versauen, was sich mir bietet. Ich glaube Schopenhauer hatte ein besseres Sozialleben. Und am Ende blieb nur das Schweigen.
Man sollte dabei, in meinem Fall vielleicht um zu verstehen wissen, das ich psychisch krank bin. Körperlich auch, aber die Psyche spielt hier eine größere Rolle. Ich tue mich schwer damit dies zuzugeben, weil mir das angesichts von Leuten mit schwerwiegenderen Problemen immer etwas lächerlich vorkommt. Allerdings haben ich von vielen weitaus mutigeren Leuten erfahren das es kein Wettbewerb ist. Und ich muss zugeben, diverse Traumata, eine dissoziative Persönlichkeitsstörung und Depressionen sind echt kein Picknick. Eher eine geistige Achterbahnfahrt gepaart mit einem verwirrend echt wirkendem Gruselhaus mit Schockeffekten. Also sollte ich mich nicht wundern das mir meistens zum kotzen zumute ist und meine Schreckhaftigkeit einer Katze auf Koks gleicht.
Mir ist bewusst das sich dies hier nicht einfach lesen oder verstehen lässt. Ich philosophiere vor mich hin, dann fang ich an biographisch zu werden und dann gleite ich dazu über mich über mich selber lustig zumachen. Außerdem habe ich den nicht gerade geringen Impuls seit ungefähr zehn Minuten das hier alles sein zu lassen, aufzuhören zu denken und mich und die Welt zu betrachten und mich wieder in einer Ecke zu verkriechen und mit etwas mehr Anstand auf meinen Tod zu warten. In Würde gehen, verstehen sie. Nicht tretend und strampelnd. Aber es ist nicht zu Ende bevor die fette Dame nicht gesungen hat.
Also wird das hier ein Projekt der Gedankenketten kaleidoskopischer Art und ich verstehe Jeden der auf dieses Format kein Bock hat. Ich wünschte ich könnte mich eloquent und geradezu für alle verständlich ausdrücken aber dafür fehlt es mir an Talent und guter Schule.
Okay, dann will ich mal weiter nachdenken. Wo war ich?

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